Die Geschichte der Küche - von der Feuerstelle bis zum digitalisierten Lebensraum

Die Geschichte der Küche - von der Feuerstelle bis zum digitalisierten Lebensraum

Die Geschichte der Küche ist ein spannender Spiegel unserer Gesellschaft, denn kaum eine andere Institution spiegelt den Wandel der Zeit so gut wider wie dieser Raum, der für die menschliche Zivilisation unerlässlich war und ist. Aber es brauchte unzählige Jahre, bis Küchen so aussahen, wie wir sie heute kennen und nutzen. Begleiten Sie uns auf einer Zeitreise durch die Küchen-Historie von ihren Anfängen als einfache Feuerstelle bis hin zum digitalisierten Lebensraum.

Am Anfang war das Feuer

Die ersten Feuerstellen, die nachweislich zur Zubereitung von Nahrung genutzt wurden, entstanden zwischen 8.350 und 7.370 vor der modernen Zeitrechnung. Sie befanden sich in nicht überdachten Innenhöfen und waren nur mit sehr einfach konstruierten Lehmöfen ausgestattet. Lebensmittel wurden im Feuer geröstet, in der Asche gebacken oder mithilfe von heißen Steinen erwärmt.

Zwischen dem 8. und 2. Jahrhundert vor Christus waren wohlhabende Griechen dann die ersten, die die Kochstellen in ihr Haus holten. Üblicherweise wurden diese direkt neben dem Badezimmer eingerichtet, weil so beide Räume durch das Feuer der Kochstelle erwärmt werden konnten. Im Römischen Reich trennten wohlhabende Bürger ihre Küche dann jedoch wieder vom Rest des Hauses ab, um sich vor dem unangenehmen Rauch der Feuerstelle zu schützen.

Im Mittelalter befanden sich offene Feuerstellen in geschlossenen Räumlichkeiten dann meistens unter dem höchsten Punkt des Gebäudes und dienten den Menschen zudem als Licht- und Wärmequelle. Rauch und Gerüche zogen durch ein Loch im Dach des Hauses ab. Weil durch die offenen Feuerstellen jedoch auch extreme Brandgefahr herrschte und immer wieder ganze Siedlungen durch den Ausbruch von Küchenfeuern zerstört wurden, brachten diejenigen, die es sich leisten konnten, die offenen Kochstellen in separaten Häusern unter. Die dadurch fehlende Wärmequelle im Wohnhaus wurde durch erste Formen des Kachelofens ersetzt.

Der erste Herd ließ lange auf sich warten

Eine richtig große Veränderung in der Geschichte der Küche war jedoch erst im 18. Jahrhundert zu verzeichnen, als ein Mann namens François de Cuvilliés auf die Idee kam, die offene Kochstelle mit einer Eisenplatte abzudecken. Um die Wende zum 19. Jahrhundert wurde diese Erfindung dann verfeinert, indem in die eiserne Platte runde Löcher eingefügt wurden. Dadurch konnte die Hitze besser genutzt werden und es wurde weniger Brennmaterial benötigt. Gas wurde allerdings erst zum Ende des 19. Jahrhunderts zum Kochen genutzt und es dauerte noch bis zu den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts, bis Herde auch elektrisch betrieben wurden.

Schon damals musste es auf einmal schnell gehen

Auch die Küchen der ärmeren Bevölkerung wandelten sich in dieser Zeit, was aber in erster Linie gesellschaftliche Gründe hatte. Das neue Zeitalter brachte mit sich, dass auch Frauen einer bezahlten Arbeit außerhalb des Hauses nachgingen, was sich wiederum auf die Art des Kochens auswirkte: Statt zeitaufwendige Gerichte auf den Tisch zu zaubern, musste es nun vor allem schnell gehen. Als Konsequenz dieser gesellschaftlichen Umbrüche entwarfen Architekten deshalb Konzepte, die die Arbeitswege in der Küche verkürzten.

Die Frankfurter Küche

Die Anordnung der Möbel und des Zubehörs in der Küche spielten in dieser Zeit der Geschichte der Küche dabei die Hauptrollen. Im Rahmen dieser Überlegungen entstanden die berühmten Bauhaus-Küchenkonzepte und vor allem die sogenannte „Frankfurter Küche“ der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzki, die noch bis heute als Mutter aller Einbauküchen gilt. Sie bot auf einer Fläche von nur 6,5 Quadratmetern optimierte Bewegungsabläufe und kostete damals 238,50 Reichsmark. Richtig durchsetzen konnte sich die „Frankfurter Küche“ in Deutschland aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die Küche der Nachkriegszeit

Weil nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wegen der immensen Zerstörungen Wohnraum knapp und begehrt war, wurde vor allem funktional und preiswert gebaut. Im Küchenbereich wurden in der Nachkriegszeit deshalb die sogenannten System- und Normküchen immer häufiger genutzt. Sie konnten schnell und einfach aufgebaut werden und orientierten sich an der Funktionalität und Übersichtlichkeit der Bauhaus-Küchen. Gefertigt wurden sie nach fest gesetzten Maßen und Normen, nach denen auch Elektrogeräte gebaut wurden, die in all diese Küchen passten.

Die Anbauküche

Eine weitere Etappe in der Geschichte der Küche ist die sogenannte Anbauküche, die im Zuge des Wirtschaftswunders in den 50er Jahren in Millionen von Wohnungen Einzug fand und die Neuerung hatte, dass erstmals Elektrogeräte in die Küchenzeilen fest integriert wurden. Die erste in Serie und von der Firma Poggenpohl gefertigte Anbauküche trug den Namen „Form 1000“ und wurde im Jahre 1950 auf der Kölner Möbelmesse vorgestellt. Aufgrund des großen und anhaltenden Erfolges wurde „Form 1000“ Ende des Jahrzehntes auch in die deutschen Nachbarländer exportiert.

Der Trend ohne Griff

1960 dagegen kam die grifflose Küche in Mode, die sich noch bis heute hält. Geprägt wurde diese Zeitepoche durch die Küche „Siematic 6006“, die als erste ihrer Art eine integrierte Griffleiste an den Küchenschränken hatte.

Popkultur

In den 70er Jahren prägten wiederum poppige In-Farben wie knalliges Orange, Senfgelb sowie diverse Grün- und Brauntöne die Geschichte der Küche. Fliesen, Arbeitsplatte und sämtliche Küchengeräte leuchteten nun um die Wette und verkörperten unbändige Lebenslust und Kreativität.

Trend Massivholz

Mitte der 70er Jahre öffnete sich der Raum Küche langsam wieder für das Familienleben und mauserte sich immer mehr zu einem beliebten, gemütlichen Aufenthaltsort. Zu einer Attraktion wurden Fronten aus massivem Eichenholz, die in unterschiedlichen Farben getönt wurden. Eine raumhohe Planung bot Stauraum bis unter die Decke und die Sitzbank aus rustikaler Eiche, meist über Eck gebaut, wurde zum unverkennbaren Stilsymbol der 80er Jahre.

Zubereitungsinseln

Dem Einheitslook der Massivholzküchen bereitete der Designer Otl Aicher ein Ende. Er vertrat die Ansicht, dass das Design von Küchen sich auf das Wesentliche konzentrieren musste, um sich auf Genuss, Kochen und das Kommunizieren fokussieren zu können. Die Küche sollte wieder mehr Lebensraum statt Arbeitszeile sein. Im Jahr 1984 lancierte Aicher deshalb die erste Kücheninsel, die damals noch „Zubereitungsinsel“ genannt wurde.

Glänzende Zeiten

Mitte der 80er Jahre machte sich der Höhenflug der deutschen Wirtschaft auch in der Küche bemerkbar: 1986 kam die Hochglanz-Küche auf den Markt, die durch ihr hochwertiges Aussehen Wohlstand symbolisierten sollte. Besonders die moderne Landhausküche „Siematic 1001 KL“ mit ihren poliertem Kassettenprofil und ihren goldenen Knöpfen fand rasend schnell sehr viele Nachahmer.

Hauptsache bezahlbar

In der Mitte der Neunzigerjahre wurde dann jedoch wieder mehr auf Preise geachtet. 1995 präsentiert der schwedische Möbelriese Ikea die bezahlbare Küchenserie „Faktum“, die in den kommenden Jahren Bestandteil von Millionen Haushalten auf der ganzen Welt wurde. Für ihr Baukastensystem stand eine große Auswahl an Elektrogeräten, Spülbecken und Armaturen für jeden Geldbeutel zur Verfügung.

Technik durch Fortschritt

Zur Jahrtausendwende verzeichnete die Geschichte der Küche dann einen gewaltigen technischen Fortschritt, als Induktionsherde an Bedeutung gewannen und Dunstabzugshauben montiert wurden. Als angenehmer Nebeneffekt war zudem zu verzeichnen, dass die neue Technik nun auch immer mehr Männer in die Küche lockte, die auf einmal Kochen als Hobby für sich entdeckten.

Hauseigene Bar

Der Lebensraum Küche gewann im letzten Jahrzehnt immer mehr an Bedeutung und es stieg die Nachfrage nach komplett offenen Küchen, zu denen oft eine Bar mit hohen Hockern als Treffpunkt für gemütliche Abende gehörte.

Globale Digitalisierung

Mitte der Zehner Jahre des 21. Jahrhunderts machte die Digitalisierung auch vor der Küche nicht halt: Kochendes Wasser kam nun direkt aus der Armatur, der Backofen war mit dem Handy verbunden und modernste Technik wurde wie selbstverständlich in moderne Küchenzeilen integriert. Hersteller Miele schaffte es mit der Einbaugeräteserie „Artline“ sogar, das komplette Geräteensemble flächenbündig in alle Möbelfronten einzufügen, ohne dass ein einziger Griff die reine Oberfläche der Küche störte.

Neue Visionen

Die nächste Etappe in der Geschichte der Küche konzentrierte sich dann wieder auf das Wesentliche: Seit 2018 liegt der Fokus einer modernen Küche, ganz im Bauhaus-Stil, auf klaren, kubischen Formen und praktischen Funktionen. Ein typisches Modell für diesen reduzierten Stil ist die Küche „NX950“ von Schüller Next 125, die 2018 auf der EuroCucina in Mailand vorgestellt wurde.

Und was bringt die Zukunft?

Wie sich die Geschichte der Küche weiterentwickeln wird, hängt sicherlich stark mit der Corona-Pandemie zusammen. Ein bestätigter Trend ist in diesem Zusammenhang jedenfalls schon, dass tendenziell wieder mehr zu Hause als auswärts gegessen wird und der Küche auch in Zukunft eine wichtige Rolle in den eigenen vier Wänden zukommt. Wer also jetzt auf eine Kücheneinrichtung im zeitlosen Design und mit langlebigen Vorrichtungen setzt, kann eigentlich nichts falsch machen.

Infografik: Die Kochstube im Wandel der Zeit (Quelle: homeweek)

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