Tiny House und Mikroapartment - Wohnen auf wenigen Quadratmetern

Tiny House und Mikroapartment - Wohnen auf wenigen Quadratmetern

Mieten werden immer teurer, Wohnraum wird immer knapper. Großzügige Apartments, besonders in Großstädten, können sich immer weniger Menschen leisten. Sie werden daher immer öfter von ihren Bewohnern aufgegeben. Dabei empfindet jedoch nicht jeder eine räumliche Verkleinerung als finanzielle Notlösung. Ganz im Gegenteil: Klein wohnen ist für viele zu einer neuen Lebensphilosophie geworden. So erobert die Tiny House-Bewegung aus Amerika jetzt auch Deutschland. Mikroapartments schaffen mehr bezahlbaren Wohnraum und liegen auch bei Investoren voll im Trend.

Tiny House: Mobiles Wohnen auf kleinstem Raum

Wer sich dazu entscheidet, sein Zuhause schrumpfen zu lassen, spart in erster Linie eine Menge Miete, aber muss in der Regel auch auf viel verzichten. Weil weniger – weniger Besitz, weniger Verbrauch – jedoch so gut in unsere Zeit passt und sich der Trend zum Downsizing immer mehr durchsetzt, hat die sogenannte Tiny House-Bewegung nun auch Deutschland erobert.

Tiny Houses sind zwischen zehn und 55 Quadratmeter groß, haben in ihrer ursprünglichen Form ein Satteldach und sind auf Räder montiert, um mobiles Wohnen zu ermöglichen. Die Idee dahinter: Auf kleinem Raum lebt es sich kostengünstiger und zugleich umweltverträglicher. Das wahrscheinlich berühmteste Tiny House ist das des US-Amerikaners Steve Areen, der sich sein Traumhaus in nur sechs Wochen für umgerechnet 6500 Euro baute. Die Bilder seines runden, orangefarbenen Minihauses auf einer thailändischen Mangofarm gingen um die Welt und wurden bei Facebook über 100.000 Mal geteilt (www.steveareen.com/architecture).

Komplizierter Trend

Nun ist der Trend auch in Deutschland angekommen – online zumindest. Denn noch verhindern komplizierte Bauvorschriften und Straßenverkehrsverordnungen die Ausbreitung der Tiny Houses. Feststehende kleine Häuser gibt es bei uns so gut wie nicht, denn einfach mal so ein kleines Haus irgendwohin zu bauen, erlauben die deutschen Gesetze nicht.

Klaus Toczek aus Braunfeld in Hessen lässt sich von den strengen Reglementierungen jedoch nicht abschrecken. Er baut zurzeit das erste Tiny House Deutschlands. Seit März werkelt der 60-jährige IT-Berater an seinem neuen Zuhause: ein kleines, kompaktes Holzhaus auf Rädern. 15 Quadratmeter, auf denen Küche, Bad und Bett Platz finden müssen. „Ich habe bestimmt 30 verschiedene Grundrisse durchgeplant und wieder verworfen, bis mein heutiger Entwurf stand“, so Toczek. „In einem Tiny House zu leben bedeutet für mich persönliche Freiheit. Ich spare Geld für Bau und Unterhalt. Ich verschwende weniger Energie, weniger Wasser und weniger Land.“ Sein fertiges Tiny House soll 3,20 Meter hoch sein, nicht mehr als 3,3 Tonnen wiegen und rund 22.000 Euro kosten. Das Interesse an seinem Projekt sei sehr groß, sagt Toczek. Bis zu 100 Klicks pro Tag verzeichne seine Internetseite.

Alternative Mikroapartment

Für ein wirkliches Tiny House mit Strom, Wasser und Sanitäranlagen muss man in Deutschland allerdings so viele Dinge beachten, dass es sich als Hauptwohnsitz für die meisten (noch) nicht lohnt. Eine interessante Alternative zum Tiny House sind jedoch die sogenannten Mikroapartments, die zwar kein mobiles Wohnen, aber dafür bezahlbaren Wohnraum bieten. Meistens finden sich diese Mikroapartments in gefragten und teuren Großstädten.

Das Konzept der Mikroapartments stammt aus der Hotellerie, denn für Geschäftsreisende, die häufig nicht nur zwei Nächte, sondern zwei Monate in einer Stadt verbringen, wurde die Buchung eines Hotelzimmers für viele Unternehmen auf die Dauer zu kostspielig. Deshalb nahmen viele Hotels kleine, vollausgestattete Apartments mit Küchenzeile in ihr Angebot auf. Mit der Zeit haben aber auch zahlreiche Immobilienfirmen dieses Konzept übernommen und ganze Gebäudekomplexe mit Mikroapartments gebaut. Das Modell Mikroapartment ist zudem die Folge eines relativ neuen Gesellschaftsphänomens: Seit 1991 ist die Zahl der Ein-Personen-Haushalte von 11,86 Millionen auf stolze 16,88 Millionen gestiegen, so zumindest der Stand im Jahre 2015. Und besonders in deutschen Großstädten suchen immer mehr Studenten, Singles, Rentner und Pendler möblierten Wohnraum in zentraler Lage. Dementsprechend gibt es die Mikroapartments auch in unterschiedlichen Ausführungen, manche Komplexe setzten auch auf das Konzept der sogenannten Nutzungsmischung. So lassen sich bei größeren Projekten Apartments für Studenten zum Beispiel geschickt mit Seniorenwohnungen, Co-Living-Modellen oder regulärem Mietwohnungsbau kombinieren.

Alles inklusive

Der Grundgedanke bleibt bei allen Ausführungen aber immer der Gleiche: Es geht um möbliertes Wohnen auf einer kompakten Fläche zu einem attraktiven Preis. Im Schnitt hat ein Mikroapartment um die 20 Quadratmeter Wohnfläche und ist nie größer als 40 Quadratmeter.

Viele Gebäudekomplexe mit Mikroapartments bieten zusätzlich auch noch bestimmte Dienstleistungen und Einrichtungen, die ihren Bewohnern den Alltag erleichtern. Hausmeister- und Fahrradservice sowie alle Nebenkosten sind in der Miete oft bereits inbegriffen, in manchen Komplexen finden die Mieter sogar eine Drogerie und einen Supermarkt.

Aber es gibt auch Schattenseiten

Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bewohner von Mikroapartments trotz aller Annehmlichkeiten häufiger wechseln als Mieter von „normalen“ größeren Wohnungen. Das mag zum einen daran liegen, dass sich der zur Verfügung stehende Platz auf reine Grundbedürfnisse beschränkt. So ist es meist undenkbar, die Kollegen zu einem Feierabendbier nach Hause einzuladen. Auch das Standard-Bett ist nur für eine einzige Person konzipiert. Vor allem fehlt jedoch die räumliche Möglichkeit, in das möblierte Apartment seinen Lieblingssessel zu stellen oder die Wände in individuell ausgewählten Farben zu gestalten. Dementsprechend gering ist der Wohlfühl- und Gemütlichkeitsfaktor. Wer in einem Mikroapartment lebt, hält es darin meist nur auf begrenzte Zeit oder als temporären Zweitwohnsitz aus.

Auch Vertreter der Städte sehen Mikroapartments zunehmend kritisch. Anlass sind vor allem die Preise pro Quadratmeter und die These, kleinteiliges Wohnen würde nicht zur Belebung von Städten beitragen, sondern teils gar zur Ghettoisierung einzelner Viertel führen. Studenten und Pendler seien weniger an Bindungen in ihrer Nachbarschaft interessiert, was die Entwicklung von sogenannten „Schlafstädten“ fördern könnte.

Investoren reiben sich die Hände

Investoren dagegen wittern mit dem Trend Kleinstwohnungen ein lukratives Geschäft, private und institutionelle Investoren integrieren immer mehr kleinteilige Wohnkonzepte in ihre Portfolios ein. Sie schätzen die vergleichsweise hohen Anfangsrenditen mit rund vier bis fünf Prozent im Vergleich zum konventionellen Mietwohnungsneubau (drei bis vier Prozent). Zudem greift auch die Mietpreisbremse bei möblierten Apartments nicht und die Mieten lassen sich durch die höhere Fluktuation deutlich schneller an ein steigendes Mietniveau anpassen.

Vor allem für erfahrene Investoren, die sich mit den Anforderungen des Produktes auskennen, sind Mikroapartments eine attraktive Möglichkeit für überdurchschnittliche Renditen auf dem Mietwohnungsmarkt. Der Trend zu dieser neuen Wohnform ist definitiv vorhanden und durch die Erschließung neuer Nutzergruppen und Megatrends wie die Urbanisierung werden sich die Produkte auch langfristig am Markt behaupten.

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