Stöckach - Stuttgarts neuer Stadtteil

Stöckach - Stuttgarts neuer Stadtteil

Das EnBW-Areal am Stöckach in Stuttgart-Ost ist eine der letzten großen, innerstädtischen Flächen mit dem Potenzial zur Entwicklung eines integrierten Quartiers. Nun steht die Zukunft dieses Geländes fest, denn der städtebauliche Wettbewerb für eine neue Nutzung ist entschieden. Den besten Entwurf lieferte ein junges Team aus Frankfurt, Hanoi und Remseck. Unter ihrer Regie wird auf dem bald freiwerdenden EnBW-Werksgelände dringend benötigter Wohnraum in einem lebenswerten, modernen und starken Stadtviertel entstehen. Das Großprojekt könnte schon 2022 baulich beginnen und 2023 von seinen Bewohnern bezogen werden. Der Strom- und Gasanbieter EnBW will weit mehr als 100 Millionen Euro in das Projekt investieren.

Kleine Fläche, große Vielfalt

Vier Hektar Wohnraum und Büros, großzügige Grünflächen, viele soziale Schichten, wenig Verkehr, effiziente Verkehrsanbindungen und optimale Energiebilanz – so lautet der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbes für die Bebauung des Geländes im Stuttgarts Stadtviertel Stöckach. Vorgeschlagen wurde der Entwurf von der jungen Architektengemeinschaft tong+ mit Büros in Frankfurt am Main und dem vietnamesischen Hanoi, die in einer erstmaligen Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten Hannes Hörr aus Remseck den ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnten. Insgesamt gingen bei der Stadt Stuttgart 83 Vorschläge aus dem In- und Ausland ein, wie die der Energie Baden-Württemberg (EnBW) gehörende Fläche in Stöckach Stuttgart neu und bürgerfreundlich genutzt werden könnte.

Der Wettbewerb stellte im Kontext des Klimaschutzes hohe Ansprüche an Kriterien wie Energie, Mobilität, Logistik- Grün- und Freiflächen, aber genauso auch an die sozialen Aspekte wie Nahversorgung und eine lebendige Mischung.

Markus Allmann, der Vorsitzende der 29-köpfigen Jury, fasste den Entwurf des Netzwerks tong+ wie folgt zusammen: „Ein überzeugender Entwurf, der zur positiven Entwicklung des Stadtteils Stöckach und der gesamten Innenstadt zwischen der Villa Berg und dem Schlossgarten mit dem neuen Stadtteil Rosenstein beitragen kann“. Den Namen samt bestimmtem Artikel der Stöckach trägt das gesamte Stadtviertel im Osten Stuttgarts. In diesem Teil der Stadt ist insbesondere ein großes Stück zwischen Hackstraße, Schwarenbergstraße, Metzstraße, Stöckachstraße und Heinrich-Baumann-Straße neu zu gestalten und mit Wohnungen, Büros, Praxen, Einkaufsmärkten und Lokalen zu beleben.

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Das EnBW-Areal in Stuttgart-Ost: Nachverdichtung schafft neuen Wohnraum (Quelle/Visualisierung: EnBW/tong+)

Baldige Räumung

Das im Osten der Stadt gelegene Gelände diente sieben Jahrzehnte lang als regionales Verwaltungszentrum für Stuttgarter Energieversorgungsunternehmen, wie zum Beispiel den Technischen Werken Stuttgart (TWS), den Neckarwerken und der EnBW (bis 1997 TWS). Noch in diesem Jahr wird der letzte dort tätige Mitarbeiter das Gelände verlassen, um das Areal in „ein Musterquartier mit den Schwerpunkten Wohnen und Nachhaltigkeit“ umzugestalten. EnBW-Vorstandsvorsitzender Frank Mastiaux (55) betonte bei der Pressekonferenz, auf der der Siegerentwurf des Architektenbüros tong+ vorgestellt wurde, dass sich das neue Quartier „auf Augenhöhe mit den architektonischen Highlights der Stadt Stuttgart“ bewegen solle. Die dahinterstehende Motivation wäre, wie es auch schon bei anderen abgeschlossenen Projekten des Unternehmens in Baden-Württemberg gelungen sei, ein „gesundes und gutes Zusammenleben der Menschen zu fördern“, erklärte Frank Mastiaux weiter.

Förderung von sozialem Wohnraum

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (64, Grüne) betonte bei der Pressekonferenz dagegen, dass von den bis zu 800 Wohnungen und mindestens 60.000 m² Wohnfläche mindestens 40 Prozent sozial gefördert werden sollen. Zu dieser Entscheidung seien die Stadt Stuttgart und der EnBW in intensiven Gesprächen gekommen, erklärte er. Auch bei einer anderen wichtigen Frage zum Stöckach-Areal herrsche zwischen der Stadt Stuttgart und der EnBW Einigkeit. So werde die EnBW zum Bespiel mindestens 20 Jahre lang die Mehrheit an diesem Gelände halten, entweder selbst oder über einen anderen öffentlichen Träger. Weiterhin erwähnte Oberbürgermeister Kuhn in seiner Rede, dass das Stöckach-Areal auch „ein Brückenprojekt für noch größere gemeinsame Projekte mit der EnBW“ sein könnte. Konkretere Informationen zu diesen Vorhaben gab Fritz Kuhn jedoch nicht.

Die nächsten Schritte

Während das Büro tong+ auf Anraten der Jury seinen Entwurf in den kommenden Monaten weiter verfeinern und insbesondere den Standort eines geplanten Hochhauses noch einmal überdenken wird, beginnt in der Stuttgarter Stadtverwaltung nun die Arbeit an dem neuen Bebauungsplan für das Gelände in Stuttgart-Stöckach. Bis dieser Plan definitiv steht und operativ werden kann, werden jedoch mindestens zwei Jahre vergehen.

Bis Ende 2020 sollen jedenfalls die letzten 350 EnBW-Mitarbeiter auf andere Standorte verteilt werden. Der Baubeginn für das neue Stöckach Stuttgart Areal könnte im Jahr 2022 sein. Dann werden manche Gebäude auf dem EnBW-Gelände abgerissen, andere umgebaut werden. Erhalten bleiben sollen auf jeden Fall etliche Gebäude, unter anderen auch die Sporthalle. In die Umgestaltung des Areals und den Bau eines neuen Vorzeige-Wohnquartiers wird die EnBW einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Nach Angaben des Unternehmens wird damit gerechnet, dass die ersten Bewohner von Stöckach Stuttgart ihre Wohnungen und Geschäfte im Jahre 2023 beziehen können.

Stöckach Stuttgart mit Bürger-Beteiligung

2020 beendet die EnBW die betriebliche Nutzung ihres Areals in Stöckach und wird damit Raum für die Stadtentwicklung schaffen. Als mehrheitlich öffentlich getragenes Unternehmen mit langjähriger Stuttgarter Geschichte möchte sie einen Beitrag dazu leisten, dass Wohnen und Leben in Stuttgart bezahlbar und innovativ ¬sind. Bevor die Arbeit der Stadtplaner und Architekten begann, sollten bei der Entwicklung des neuen Stöckach aber auch die direkten Nachbarn sowie möglichst viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt Stuttgart zu Wort kommen: Wie werden wir in Zukunft wohnen? Was wollen wir mit Nachbarn teilen und was nicht? Welche Angebote braucht das eigene Stadtviertel? Und wofür nehmen wir gerne Wege in Kauf?

In sogenannten Bürger-Werkstätten, die den gesamten Prozess der Quartiersentwicklung begleiten, wurden deshalb Anwohner, Nachbarn und künftige Nutzer des Areals von Anfang an in den Gestaltungsprozess von Stöckach Stuttgart eingebunden. Ihre Anregungen und ihre Ideen sollen das Projekt dabei auch langfristig prägen und leiten.

Ein direkter Blick auf das Projekt

Interessierten ist außerdem die Möglichkeit gegeben, sich einen Überblick über das derzeitige Werksgelände der EnBW zu verschaffen. Wie sieht es dort derzeit aus? Was verbirgt sich unter der Erde? Das Unternehmen bietet eine Führung über das Gelände (circa 45 Minuten für maximal 20 Personen) sowie eine Bunkerführung (circa 90 Minuten für maximal 10 Personen) an. Auf der Internetseite https://www.enbw.com/stoeckach/ erfahren Sie außerdem alles Wissenswerte zum neuen Stöckach Stuttgart sowie alle wichtigen Updates zum geplanten Projektverlauf.

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