Der aktuelle Zinsmarkt - Entwicklung und Prognosen

Der aktuelle Zinsmarkt - Entwicklung und Prognosen

Brexit-Votum, die Präsidentschaft von Donald Trump, Wahlen in Frankreich: In der Politik fielen in den vergangenen Monaten wichtige Entscheidungen. Es waren politische Ereignisse mit weitreichenden Auswirkungen – auch auf die Zinsen. Wie genau wirken sich die aktuellen Geschehnisse auf den Zinsmarkt aus? Und was ist noch zu erwarten? Der Zinsmarkt auf dem Prüfstand.

Baufinanzierungszinsen sind ein wichtiger Faktor beim Immobilienerwerb. Ihre Höhe hat maßgeblichen Einfluss auf das Darlehen. Umso interessanter ist der Blick auf den Zinsmarkt. Und den lassen Immobilienkäufer aktuell recht gerne schweifen, denn die Zinsen sind sehr niedrig. Die Folge: extrem günstige Baufinanzierungen. Perfekt für einen Immobilienkauf.

AUSWIRKUNGEN DER JÜNGSTEN WAHLEN

Momentan ist der Zinsmarkt für Baufinanzierungen stabil. Seit Monaten gab es keine großen Ausschläge mehr. Aber was beeinflusst den Markt überhaupt? Vor allem politische Großereignisse und deren voraussichtliche Auswirkungen. Ein Beispiel: Kurz nach den US-Wahlen kündigte Neu-Präsident Donald Trump an, die heimische Wirtschaft massiv stärken zu wollen. Die Folge: Die Börse erreichte neue Höchststände, die US-Notenbank FED sah den Wirtschaftsaufschwung kommen und erhöhte die Leitzinsen. Großanleger verlagerten Gelder aus dem Euroraum über den großen Teich. Das beflügelte hierzulande die Zinssteigerungs-Tendenzen. Mittlerweile tritt Trump allerdings deutlich auf die Bremse. Er übt Druck auf die FED aus, die Zinsen nicht weiter zu erhöhen.

Ein ganz anderes Beispiel: die Brexit-Entscheidung. Die Briten besiegelten den EU-Ausstieg. Und der Zinsmarkt? Der reagierte überraschend wenig, es blieb ruhig. Scheinbar überwog der Glaube an eine gute wirtschaftliche Lösung. Unterstützt wird die aktuelle Stabilität am Markt durch die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Präsident Emmanuel Macron steht zu Europa und will die französische Wirtschaft ankurbeln. Ein starkes Signal am Markt.

WIE DER ZINSMARKT FUNKTIONIERT

Der Zinsmarkt reagiert auf politische Entscheidungen, das scheint nach diesen Beispielen sicher. Doch wie kann das sein? Wie können diese Entscheidungen so viel direkten Einfluss haben? Das liegt am Markt selbst. Er ist sehr hypothetisch. Großereignisse wie Wahlen erzeugen Stimmungen und transportieren Szenarien. Der Markt greift die wahrscheinlichsten auf und orientiert sich daran. Und das weit vor den prognostizierten Entwicklungen. Eine Tatsache, die den Markt unberechenbar macht. Er reagiert mehr auf Stimmungen als auf Fakten.

Wie sehr Stimmungen auf dem Zinsmarkt dominieren, zeigt ein Beispiel aus 2013. Der damalige FED-Chef Ben Bernanke gab überraschend bekannt, dass die US-Notenbank ihre Anleihekäufe künftig massiv zurückfahren würde. Daraufhin stiegen die langfristigen Zinsen in Deutschland innerhalb weniger Wochen um ca. 0,6 Prozent. Dann die Rolle rückwärts. Nach sechs Wochen korrigierte Bernanke seine eigene Aussage. Die Zinsen sanken allmählich. Ähnliches kann passieren, wenn schlechte Wirtschaftsdaten aus einem Land wie China oder den USA auftauchen würden. Sie hätten kurzfristige Auswirkungen auf die Zinsen in Deutschland.

ZENTRALBANKEN BESTIMMEN DIE ENTWICKLUNG

Während sich politische Entscheidungen kurzzeitig auf dem Zinsmarkt bemerkbar machen können, haben Leitzinsen meist einen langfristigen Einfluss auf die Entwicklung. Festgelegt werden sie von den Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Dabei sind Leitzinsen ein Werkzeug der Notenbanken, um die allgemeine Geldpolitik mit herkömmlichen Banken zu steuern.

Interessant für Baufinanzierungen: die Auswirkungen des Leitzinses auf Anleihen. Denn die Renditen von Bundesanleihen und Pfandbriefen folgen meist dem Trend des Leitzinses. Wichtig für die Baufinanzierungszinsen, die sich wiederum an den Renditen des Pfandbriefs orientieren. Zusammengefasst lassen sich so häufig folgende Reaktionen beobachten: Ändert sich der Leitzins, können die Renditen von Bundesanleihen diesem folgen. Daraufhin kommen auch die Renditen der Pfandbriefe in Schwung, was letztlich die Baufinanzierungszinsen beeinflusst.

BAU- UND LEITZINS AM MARKT

Besteht also eine Abhängigkeit des Baufinanzierungszinses vom Leitzins? Nein, der Leitzins hat keinen direkten Einfluss auf den Bauzins. Einen Zusammenhang zwischen den beiden kann es geben, muss es aber nicht. Das zeigen drei mögliche Entwicklungen, die auf dem Markt denkbar sind:

Baufinanzierungszins und Leitzins verändern sich in dieselbe Richtung: Die Zinsen am allgemeinen Geldmarkt sind stark mit dem Leitzins verbunden. Sinkt der Leitzins, ziehen sie mit. Das heißt, die Zinsen für Tagesgelder und Festgelder fallen. Die Folge: Sparer und Anleger suchen nach alternativen Anlagemöglichkeiten – wie den Bundesanleihen. Steigt deren Nachfrage, sinkt gleichzeitig ihre Rendite. Da sich auch die Pfandbrief-Renditen nach dieser Entwicklung richten, sinkt der Bauzins. Dasselbe ist auch in die andere Richtung möglich.

Baufinanzierungszins und Leitzins entwickeln sich entgegengesetzt: Hebt die EZB den Leitzins, steigen die allgemeinen Zinsen am Geldmarkt. Tagesgeld- und Festgeldzinsen steigen ebenfalls. Alles wie bisher. Nur dieses Mal springen Anleger und Sparer nicht auf die höheren Renditen an. Sie bleiben bei den als sicherer geltenden Bundesanleihen. Weil sich die Renditen bei den Bundesanleihen und den Pfandbriefen in diesem Fall nicht wesentlich verändern, stagniert der Bauzins. Oder er sinkt sogar. Das ist zum Beispiel denkbar, wenn sich die Wirtschaftslage in einer Krise befindet. Baufinanzierungszins verändert sich, obwohl der Leitzins gleich bleibt: Wann das passiert? Vor allem nach politischen Entscheidungen oder Aussagen, wie es sie 2013 vom damaligen FED-Chef Ben Bernanke gab.

DER LEITZINS AKTUELL

Derzeit liegt der Leitzins der EZB bei 0,0 Prozent, der Einlagenzins für Banken bei minus 0,4 Prozent. Die Folge: Banken müssen nicht mehr für Kredite zahlen. Dafür aber, wenn sie Geld bei der EZB anlegen wollen. Das macht die Darlehen aktuell so günstig.

ZINSPROGNOSE: DAS IST DER TREND

Günstige Baukredite für Immobilienkäufer. Aber wie lange noch? Das hängt von den Notenbanken ab. Seit der Finanzkrise 2008/09 sanken die Leitzinsen fast kontinuierlich. Interessant wird, wie und wann die EZB einen Ausweg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik findet. Denn nur dann ist eine Zinswende wirklich realistisch. Die Anzeichen sind klar: Der politische Druck auf die EZB steigt. Bereits jetzt hat sie ihre Anleihekäufe gedrosselt. Ein Indiz für eine Steigerung. Auf lange Sicht ist ein höherer Leitzins wahrscheinlich. Baukredite werden also wohl wieder teurer. Langfristig drohen scheinbar höhere Bauzinsen. Müssen sich Immobilienkäufer deshalb um ihre Baufinanzierung sorgen? Nein, selbst wenn die Bauzinsen um einige Prozentpunkte steigen, besteht immer noch ein gutes Umfeld für Baufinanzierungen. Denn der Bauzins allein ist nur ein Faktor. Vor allem persönliche Kriterien beeinflussen die Finanzierung. Zum Beispiel das Einkommen des Darlehensnehmers oder die Höhe des Eigenkapitals.

Hier eine Übersicht zu den aktuellen Darlehenskonditionen:

Zinsbindung Beleihungsauslauf 10 Jahre 15 Jahre 20 Jahre
nom. eff. nom.  eff.
nom.
 eff.
100 % 1,71 % 1,74 2,25 % 2,28 2,71 % 2,74
90 % 1,49 % 1,52 2,00 % 2,03 2,32 % 2,35
80 % 1,30 % 1,33 1,70 % 1,73 1,97 % 2,00
60 % 1,10 % 1,13 1,50 % 1,53 1,77 % 1,80


Stand der Konditionen vom 30.06.2017. Es handelt sich hierbei um unverbindliche und freibleibende 
Zinskonditionen. Die Konditionen gelten für den Kauf eines Einfamilienhauses und einem Darlehen ab 200.000 €, das in einer Summe ausgezahlt wird. Weitere Voraussetzungen: 
Festes Arbeitsverhältnis oder Beamtenstatus, gute Gesamtbonität und positive Schufaauskunft.

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