Das Mercedes-Benz Museum: 132 Jahre Hightech

Das Mercedes-Benz Museum: 132 Jahre Hightech

Wer an Stuttgart denkt, denkt zumeist auch an Mercedes-Benz – in Stuttgart, in Deutschland, überall auf der Welt. Warum? Weil die modernere Geschichte von Stuttgart ohne Mercedes-Benz gar nicht denkbar wäre. Weil Carl Benz der wohl bekannteste Sohn dieser Stadt ist. Und, nicht zuletzt, weil die Marke Mercedes-Benz wohl noch bekannter ist als ihr Herkunftsort selbst.

Von der Idee zur Weltspitze

Als Carl Benz im Jahr 1886 mit "Benz Patent-Motorwagen Nummer 1" das erste moderne Automobil mit Verbrennungsmotor anfertige, ahnte er wohl noch nicht, dass er in diesem Moment zum Gründungsvater einer Legende werden würde. Dies hätte wohl auch seherischer Fähigkeiten bedurft, denn dieses erste Automobil war zwar eine technische Innovation, ließ jedoch noch nichts von der ausgefeilten Kreativität erkennen, die modernste Technik und edles Design unter einer Haube vereinen sollte. Es war vielmehr ein Dreirad, das optisch wenig hermachte und lediglich auf Funktionalität hin optimiert war.

Das hohe Maß an Funktionalität haben sich die zeitgenössischen Modelle erhalten, doch das Design hat seither Quantensprünge gemacht. Eines haben jedoch alle Mercedes-Benz-Modelle damals wie heute gemeinsam: Sie haben technisch stets Maßstäbe gesetzt, waren die wahre Manifestation der Hochtechnologie ihrer Zeit. Kein Wunder, dass es Mercedes-Benz schnell an die Spitze der weltweit bekanntesten Premium-Marken geschafft hat.

Wo sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die Hand geben

Neben der technischen Taktangabe über 132 Jahre hinweg eint die Mercedes-Benz-Modelle jedoch noch ein weiterer, ganz einfacher Sachverhalt: der Ort, an dem die Erinnerung an das, was war, was ist und was sein wird, ganz praktisch stattfindet – das Mercedes-Benz Museum. Dieses mag Autoverächtern wie ein modernes Parkhaus vorkommen, Autoliebhabern wird jedoch beim Anblick der mehr als 160 verschiedenen Modelle – alle vereint unter einem einzigen Dach – das Herz höher schlagen.

Aber Moment! Erinnerung an das, was war – natürlich! Erinnerung an das, was ist – ok. Aber Erinnerung an das, was sein wird – wie soll das gehen? Ganz einfach: Unter den zahlreichen Exponaten befinden sich nicht nur besondere Schmuckstücke aus Vergangenheit und Gegenwart, wie beispielsweise legendäre Rennwagen oder Autos, die an ganz besonderen geschichtlichen Ereignissen beteiligt waren, sondern auch Forschungsfahrzeuge, die ihrer Zeit im Moment ihres Entstehens weit voraus waren und sind.

Das Mercedes-Benz Museum ist jedoch mehr als ein Ort, an dem Besucher Autos mit Stern und weit mehr als 1.000 zugehörige Exponate bewundern können: Es erzählt Geschichten. Im Museum werden die Autos zu Zeugen ihrer Zeit. Ihre Darstellung ist nicht auf die stupide Rezitation technischer Daten beschränkt, die selbst dem größten Autoliebhaber irgendwann die Müdigkeit in die Augen treiben. Sie berichten vielmehr über die Kultur, die sie begleitet hat. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte aus drei Jahrhunderten manifest und in vielen Facetten erfahrbar, ja erlebbar. Geschichte zum Anfassen ist hier kein Traum idealistischer Lehrer oder gelangweilter Schüler, sie ist Realität.

Gesamtexponat in Gebäudeform

Das Mercedes-Benz Museum wurde 2006 eröffnet. Es ist jedoch nicht einfach nur ein Gebäude, das technisch ausgeklügelte Exponate beherbergt. Nein, es ist, was es birgt: ein architektonisches Meisterwerk, dass die innovative Kraft der Marke Mercedes-Benz anschaulich versinnbildlicht.

Von außen betrachtet schraubt es sich wie ein organisch anmutendes Gewinde aus Metall und Glas aus dem Boden. Allein dieser Anblick lässt rätseln darüber, in welche Tiefen das Gewinde reicht und welche Höhen es noch erreichen wird. Die Gewindeform war keine Laune der Architekten vom UNStudio van Berkel und Bos in Amsterdam, die das Mercedes-Benz Museum in dieser Form konzipiert haben. Die Architektur ist der Doppelhelix-Struktur der DNA nachempfunden und symbolisiert so die naturbedingte Weiterentwicklung, den innovativen Geist, der als Triebfeder hinter den Ingenieurleistungen der Marke steht.

Im Inneren des Museums setzt sich die äußere Form fort. Fahrstühle, die wie kleine Raumschiffe aussehen, bringen Besucher nach oben und eröffnen ihnen zwei Rundgänge, zwischen denen auf dem geschwungenen Weg nach unten immer wieder gewechselt werden kann. Der erste Rundgang besteht aus 7 Mythosräumen, die die Entwicklung des Automobils anhand der Marke vom Anbeginn bis in die Gegenwart chronologisch darstellen. Der zweite Rundgang, bestehend aus 5 Collectionsräumen, ordnet die Exponate zeitübergreifend und stellt zwischen ihnen thematische Zusammenhänge her.

Die offene Gebäudeform und die durchgängige Verglasung mit dreieckigen Scheiben, bei denen jede ein Unikat ist, lassen viel Licht ins Innere des Mercedes-Benz Museums. Zudem sind die Räume so konzipiert, dass sie sie trotz ihrer großen Fläche und der schweren Last, die sie tragen, ohne stützende Säulen auskommen. Dies sorgt für viel Platz, insgesamt 16.500 Quadratmeter, und gewährt Besuchern einen störungsfreien Blick auf alle Exponate.

Es ist diese Vielfalt an Ideen, die sich im Mercedes-Benz Museum bündeln und dieses zu einem Gesamtkunstwerk machen – einem Exponat in Gebäudeform. Wer von so viel Ideenreichtum begeistert ist und sich unsterblich in einen Old- oder Youngtimer verliebt hat, kann direkt im Museum den Traum vom eigenen Klassiker wahr werden lassen: Unter dem Namen ALL TIME STARS betreibt das Mercedes-Benz Museum einen Handel mit zeitlosen Wagen mit Stern. Wer nach den vielen Eindrücken lieber ausruhen möchte, kann durch die verschiedenen Shops schmökern oder sich im Café oder im Restaurant entspannen.

Naturgewalten schützen vor Naturgewalten

Soweit zu einigen der sofort sichtbaren Merkmale, die das Mercedes-Benz Museum zu bieten hat. Was Besuchern jedoch nicht auf den ersten Blick auffällt, ist das innovative Entrauchungssystem. Die offene Architektur birgt nämlich einen entscheidenden Nachteil: Klassische Brandschutzsysteme funktionieren hier nicht.

Nun hätte sich dieser Umstand sicher recht unspektakulär lösen lassen. Unspektakuläre Lösungen sind hier jedoch Mangelware und so musste auch für den Brandschutz eine ganz spezielle Innovation erdacht werden. Diese Innovation nahm schließlich die Form eines waschechten Tornados an – einer Naturkraft, die eher als Problem, nicht aber als Problemlösung wahrgenommen wird.

Und ja, Sie haben richtig gelesen: Ein Tornado zu Brandschutzzwecken. Wie ist das möglich? 144 Düsen, die strategisch klug an den Wänden des Atriums angebracht sind, blasen so viel Luft in dessen Inneres, dass ein Luftwirbel entsteht. Im Brandfall pumpt dieser den Rauch aus den Räumen und lässt ihn über den oben angebrachten Entrauchungsventilator nach außen entweichen. Dies sorgt für eine gute Sicht auf den Brandherd und erleichtert den Löschkräften so die Arbeit.

Laufen diese Düsen auf höchster Leistung, versetzen sie 28 Tonnen Luft in Bewegung. Dabei entsteht nicht nur ohrenbetäubender Lärm, sondern auch jener besagte Tornado, der im Inneren des Mercedes-Benz Museums seine kontrollierte Schutzwirkung voll entfaltet. Und wie zu erwarten war, hat dieser Rekordcharakter: Er ist mit 34,4 Metern Höhe der größte künstliche Wirbelsturm der Welt und wurde deshalb auch ins Guinness Buch der Rekorde von 2009 aufgenommen.

Der dafür notwendige Modellversuch fand am 15. Oktober 2007 statt. Die geladenen Gäste konnten dabei live miterleben, wie sich der Tornado über die gesamte Höhe des Atriums ausdehnte. Am Anfang sprangen die unzähligen, auf dem Boden verteilten Styroporkügelchen noch wie wilde Tänzer umher. Mit steigender Leistung wurden sie jedoch vom Luftstrom erfasst, in die Höhe gehoben und machten so den nun entstehenden Wirbelsturm sichtbar. Ebenfalls erfasst und abgepumpt wurde der künstliche Rauch einer Nebelmaschine. Der Versuch zeigte erfolgreich, wozu dieses unkonventionelle Brandschutzsystem fähig ist.

Sind Sie neugierig geworden? Dann schauen Sie sich das Mercedes-Benz Museum mit eigenen Augen an. Es hat von Dienstag bis Sonntag für Sie geöffnet und freut sich auf Ihren Besuch.

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