Versicherungsschutz in Corona-Zeiten - Versicherungsmakler Stefan Rumpp spricht über neue Schutzanforderungen in Krisenzeiten

Versicherungsschutz in Corona-Zeiten - Versicherungsmakler Stefan Rumpp spricht über neue Schutzanforderungen in Krisenzeiten

Interview mit Stefan Rumpp, Geschäftsführer der confin GmbH in Fellbach.

von Martin Rudolph - Corona ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es herrschen Kontaktbeschränkungen, die das soziale und wirtschaftliche Leben fast aller Menschen stark einengen. Kurzarbeit, Firmenschließungen und neue, vor allem digitale Lösungen sind allgegenwärtig. Das Thema Versicherung haben momentan jedoch noch wenige auf dem Schirm, was recht schnell zu Problemen führen kann. Wir sprachen mit Versicherungsmakler Stefan Rumpp, confin GmbH Fellbach, darüber, worauf hierbei in der aktuell ungewohnten Situation zu achten ist.

Herr Rumpp, Sie sind leidenschaftlicher Segel- und Motorflieger. Besonders Oldtimer-Flieger haben es Ihnen angetan. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Hobby und Ihrer Berufung als Versicherungsmakler?

Stefan Rumpp: Ja, eine ganze Reihe sogar. Beides erfordert viel Sorgfalt und eine sehr genaue Vorbereitung. Man kann beim Fliegen schließlich nicht rechts ranfahren und sagen: „Oh, ich habe etwas vergessen!“ Man muss vorher genau prüfen, ob alles am und im Flieger so ist, wie es sein soll. Das ist eine große Parallele zum Beruf des Versicherungsmaklers. Man muss auch hier vorher genau prüfen, was die Fragestellung ist, welche Besonderheiten zu beachten sind, wie man im schlimmsten Fall reagieren muss, welchen Plan B es gibt und wie das in entsprechenden Verträgen umgesetzt werden kann.

fb corona spezial confin gmbh 2

Faszination Fliegen: Sorgfalt und gute Vorbereitung sind auch bei der Arbeit als Versicherungsmakler unumgänglich

Versicherungsmakler werden häufig mit Versicherungsvertretern verwechselt. Worin besteht der Unterschied zwischen beiden Berufsfeldern?

Stefan Rumpp: Der Versicherungsvertreter vertritt das Unternehmen, das ihn beauftragt hat. Das können auch mehrere Unternehmen sein. Sein Ziel ist also, Produkte seines Arbeitgebers an den Mann oder an die Frau zu bringen. Der Versicherungsmakler wird vom Versicherungsnehmer beauftragt und sucht für ihn nach geeigneten Lösungen am Markt. Wir schreiben die Fragestellung aus und suchen dann aus den Angeboten, die wir bekommen, die geeignete Lösung für unsere Mandanten.

Haben sich die Versicherungsanfragen, die Sie erhalten, durch das Fortschreiten der Corona-Pandemie verändert?

Stefan Rumpp: Teilweise. Es kommen natürlich verstärkt Anfragen zur Thematik ‚Absicherung von Gesundheit‘. Mandanten sind hier sensibilisiert darauf, dass sie unter Umständen krank werden könnten und dann bestmöglich versorgt sein möchten. Von Unternehmen erhalten wir vor allem Anfragen zu möglichen Einsparpotentialen. Sie sind aktuell einem hohen finanziellen Druck ausgesetzt und lassen daher verstärkt ihre bestehenden Verträge auf den Prüfstand stellen.

Gibt es durch Corona neue Anforderungen an Versicherungen? Wenn ja, wie kommen diese Veränderungen zustande?

Stefan Rumpp: Ja, tatsächlich. Wir haben seit einigen Monaten einen sehr neuen Bereich, nämlich die Versicherung von Cyber-Risiken. Die aktuelle Corona-Situation zwingt Unternehmen dazu, das Internet noch stärker zu nutzen und die Digitalisierung in hohem Tempo voranzutreiben. Es gibt zum Beispiel viele Online-Konferenzen und verstärkt Home-Office-Arbeit. Das nutzen Angreifer aus, weil sich dadurch möglicherweise Sicherheitslücken ergeben, die beim stationären Büro-Arbeitsplatz so nicht vorliegen würden. Dadurch können sehr hohe Schäden entstehen. Versicherer reagieren darauf, indem sie entsprechenden Versicherungsschutz zur Verfügung stellen.

Welche Maschen von Cyber-Kriminellen nehmen speziell seit den letzten Monaten immer mehr zu?

Stefan Rumpp: Es ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel, was Cyber-Kriminalität und den Schutz davor angeht, das heißt, die einen erfinden etwas Neues und die anderen etablieren entsprechende Sicherungssysteme. Man muss feststellen, dass die Angreifer immer perfekter werden. Die laienhaften Texte von früher sind mittlerweile perfekten Formulierungen in fehlerfreiem Deutsch gewichen, die zum Teil auch nicht mehr von Experten auf den ersten Blick als Fälschung zu erkennen sind. Was immer häufiger auftritt, sind erwartete Rechnungen von bekannten Lieferanten, bei denen die Bankverbindung ausgetauscht wurde. Wenn man diese Rechnungen bezahlt, ruft der Lieferant irgendwann an und fragt, warum die eigentliche Rechnung noch nicht beglichen worden ist. Das Geld ist dann unwiederbringlich weg.

Welche Kosten können geschädigten Unternehmen bei Cyber-Angriffen entstehen?

Stefan Rumpp: Das ist natürlich von der Art der Attacke abhängig. Bei der vorher geschilderten Methode können schon mal 5-stellige Beträge entstehen, was schnell wehtun kann. Besonders bei produzierenden Unternehmen kann es aber zum Beispiel passieren, dass in Steuerungssysteme von CNC-Maschinen eingegriffen wird. Diese können dann bei mutwilliger Fehlbedienung zerstört werden, was auch Schäden im 7-stelligen Bereich nach sich ziehen kann. So etwas ist auch von gestandenen Unternehmen nicht einfach wegzustecken. Darüber hinaus können Schäden entstehen, die sich aus Datenschutzverletzungen ergeben. Die Strafen lassen sich nicht versichern, aber man rechnet im Schnitt mit Kosten in Höhe von 50 Euro pro Kundendatensatz, um Kunden bei Datenpannen zu informieren. Hinzu kommen Kosten für Forensiker.

Auch bei Gebäuden können entsprechend hohe unerwartete Kosten entstehen. Worauf sollten Immobilienbesitzer achten, um Risiken zu vermeiden?

Stefan Rumpp: Der klassische Fall bei Immobilien ist der Kauf eines Gebäudes zusammen mit der Übernahme des Vertrages, der es gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel absichert. Dabei geht auch die Verantwortung, die sich aus dem übernommenen Vertrag ergibt, an den neuen Eigentümer über. Das ist gesetzlich so geregelt. Dadurch kann er einen veralteten Versicherungsschutz einkaufen oder frühere Fehler in der bestehenden Police übernehmen. Häufig wird der übernommene Vertrag in diesem Fall nicht überprüft, was bis zum Totalverlust des Versicherungsschutzes führen kann. Insoweit ist es wichtig, die Absicherung der Immobilie beim Kauf immer von einem Fachexperten überprüfen zu lassen.

Viele Unternehmensgebäude stehen aufgrund der Corona-bedingten Kontaktsperre leer. Welche Risiken können sich aus Versicherer-Sicht dadurch ergeben?

Stefan Rumpp: Versicherer sehen Leerstand grundsätzlich ungern. Ein Gebäude, das nicht regelmäßig benutzt wird beziehungsweise wo nicht immer wieder Menschen ein und aus gehen, ist im stärkeren Maße gefährdet – sei es durch Einbrecher oder durch einen Rohrbruch, der nicht bemerkt wird. Insoweit ist ein Leerstand beim Versicherer anzeigepflichtig, wenn er über einen bestimmten Zeitraum geht. Wer seine Versicherung nicht informiert, riskiert, dass diese im Schadensfall die Leistung kürzt oder möglicherweise ganz verweigert. Das wird bei den aktuellen amtlich verordneten Schließungen oft vergessen, zumal Firmen da zunächst ganz andere Themen auf ihrer Agenda haben, um die eigene Existenz zu sichern.

Welchen Rat möchten Sie jungen Familienunternehmerinnen und -unternehmern mitgeben?

Stefan Rumpp: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Kernkompetenz und arbeiten Sie ansonsten mit Profis zusammen. Hier sollten Sie sich ein Netzwerk aufbauen, auf das Sie sich verlassen können. Experten kosten langfristig weniger Zeit und Geld und können auch Fragestellungen aufwerfen, auf die der Laie von selbst nicht kommen würde.

Abschließende Frage: Was war Ihr bisher schönstes privates Erlebnis?

Stefan Rumpp: Da gibt es viele. Im Grunde kann ich da jeden Flug erwähnen. Fliegen ist immer wieder faszinierend, besonders über den Alpen mit ihren großen Bergen und Gletschern.

Vielen Dank, Herr Rumpp, und Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Die stuttgarter immobilienwelt ist eine Fachzeitung rund um das Thema Immobilien in Stuttgart und in der Region mit dem Ziel, den Stuttgarter Immobilienmarkt transparenter zu machen und lokal zu informieren.

Kontaktieren Sie uns: kontakt@stuttgarter-immobilienwelt.de

© Copyright 2017 - stuttgarter immobilienwelt